• Wolfgang Bok

Wer für den Frieden frieren und wer nationale Energie-Interessen vertreten sollte


In der Kolumne „Nüchtern betrachtet“ rückt Dr. Wolfgang Bok manche Schieflage in der Ukraine-Debatte zurecht und fordert ein Bekenntnis zu nationalen (Energie-)Interessen

Von Dr. Wolfgang Bok

Ein Mehrheit der Befragten ist offenbar dafür, dass wir den Energieast absägen, auf dem wir sitzen. Ich vermute mal: Für ein „Energieembargo gegen Putin“ stimmen all jene, die auf Kosten anderer Heizen und Tanken. Dazu zählen Spitzen-Alimentierte wie Bundespräsident a. D. Gauck oder Ursula von der Leyen, deren Hang zum Pathos die eigene Gestaltungskompetenz weit übersteigt. Ich finde: Alle, die nun auf russisches Gas (55 % unseres Bedarfs), russisches Öl (rund 34 %) und russische Kohle (26%) verzichten wollen, sollten nun tapfer vorangehen. Viel Gas (13 %) brauchen wir übrigens, weil damit der Strom erzeugt werden muss, der uns wegen des Verzichts auf Kernenergie und Kohlekraftwerke fehlt. Deshalb wollte die Ampel-Koalition ja auch 80 neue Gaskraftwerke als „Brückentechnologie“ bauen. Denn Windkraft trägt in Wahrheit nur 3,5 % zum gesamten Energiebedarf bei. Wäre es nicht konsequent, wenn alle, die für diese naive Energiewende gestimmt haben, umgehend alle Geräte vom Netz zu nehmen und die Heizung auf Null zu stellen? Oder noch besser: Mit einer Sonderabgabe für die Kosten aufzukommen, mit denen nun Geringverdiener unterstützt werden sollen. Das wäre endlich mal eine Umverteilung, die Sinn macht.

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Ja, wir haben noch viel Einsparpotential. Niemand braucht das ZDF und zig ARD-Sender, die ohnehin alle dasselbe Agenturmaterial vertonen. Behörden wie die Bundesumweltagentur sollten die geforderte Rationierung an eigenen Leib erproben, ebenso all die Stiftungen und Professoren, denen die Energiepreise noch immer nicht hoch genug sind. Deshalb trifft ein Bafög-Zuschlag die Falschen: In den grünen Hochburgen wurde doch am lautesten Entsagung gepredigt. Also sollen sie zeigen wie das geht mit dem „Frieren für den Frieden“. Und wo bleibt die Vorbildfunktion der aufgeblähten Parlamente und Regierungen? Wann bezahlen sie ihre Tank- und Stromrechnung selbst? Gibt es dafür nicht die üppigen Diäten und Büropauschalen?

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Dass in Deutschland ernsthaft erwogen wird, nun auch noch Nord Stream I abzuschalten, verdeutlicht einmal mehr, wie sehr diesem Land der Sinn für Zahlen abhanden gekommen ist. Industrie, sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen brauchen zusammen die Hälfte des Gases. Selbst der grüne Klimaminister Habeck, der neuerdings auch als Wirtschaftsminister denkt, warnt eindringlich vor sozialen Verwerfungen: „Wir reden bei einem sofortigen Importstopp über Hunderttausende Menschen, die ihre Arbeit verlieren.“ Andere in seiner Partei scheinen hingegen im Beschluss von 1998 hängen geblieben zu sein, als die Grünen in Magdeburg „5 Mark für den Liter Sprit“ gefordert hatten. Heute sind wir so weit. Mit dramatischen Verwerfung. Denn nach und nach werden die drastisch erhöhten Energiekosten samt neuer Knappheitspreise für Metalle und Nahrungsmittel zu einer preistreibenden Inflation führen. Ein anderes Wort für kalte Enteignung.


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Gleichwohl bekommt in unseren Medien jeder eine Plattform, der die Deutschen indirekt bezichtigt, den Krieg gegen die Ukraine über unsere Gasrechnung zu finanzieren. Sogenannte Intellektuelle schwingen schon wieder die Nazikeule, um Berlin gefügig zu machen. Unterstützt vom Kiewer Botschafter in Berlin. Derlei Ausfälle gegenüber seinem Gastland, das wie kaum ein anderes Flüchtlinge aufnimmt und finanzielle Hilfe leistet, dürfte er sich sonst nirgends erlauben. Es ist an der Zeit, dass deutsche Politiker derlei infamen Unterstellungen mit der gebotenen Deutlichkeit widersprechen. Wie überhaupt zu wünschen wäre, dass Politiker, die darauf geschworen haben „Schaden vom deutschen Volk abzuwehren“, nicht nur deutsche Interessen vertreten, sondern diese auch klar so formulieren. Das gilt besonders gegenüber Brüssel und der neuen Achse Paris-Rom, die mal wieder die Schuldenunion auf Kosten der deutschen Sparer und Beitragszahler vorantreiben will, um den eigenen Bürgern Sparmaßnahmen zu ersparen. Die sind im übrigen schon deshalb wohlhabender als der deutsche Durchschnitt, weil dort das private Wohneigentum gefördert wird. Wir hingegen sind ein Volk von (armen) Mietern, die man dann mit kleinen Wärmekostenbrosamen betütteln kann.

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