• Wolfgang Bok

Wenn Putin-Versteher für Ukrainer Platz machen - und andere Provokationen

Aktualisiert: 8. März

In seiner Kolumne „Nüchtern betrachtet“ sieht Dr. Wolfgang Bok wenig Hoffnung für die Ukraine und zweifelt am neuen deutschen Realitätssinn:


  • Warum die Ukraine vorerst wohl verloren ist

  • Weshalb wir China als Gefahr erkennen müssen

  • Weshalb wird die Bauern neu wertschätzen

  • Wie uns die Öko-Lobby in die Irre führt

  • Und wie wir das Flüchtlingsproblem lösen könnten


Von Dr. Wolfgang Bok


Die Ukraine ist - vorerst jedenfalls - aus drei Gründen verloren.


1. Selbst die härtesten Sanktionen werden, wenn überhaupt, eine spürbare Wirkung erst spät entfalten. Bis dahin ist das überfallene Land zerbombt. Was die überwiegende Mehrheit der Russen offenbar richtig findet und daher zu Opfern bereit ist. Sie glauben der Propaganda, dass es sich bei der „militärischen Spezialaktion“ um eine Hilfsexpedition handelt. Putin geriert sich dabei als „Nazi-Jäger“ - und agiert in Wahrheit wie Hitlers Wiedergänger. Dieser Despot würde, wie einst sein Vorbild Stalin, eher das eigene Volk verhungern lassen, bevor er von seinen Heim-ins-Reich-Plänen abrückt.

2. Kein freies Land im Westen oder in Asien ist bereit, für die Ukraine in den Krieg zu ziehen. Zu groß ist die Gefahr, dass der Irre im Kreml auch noch Atomraketen einsetzt. Und selbst ohne Nuklearwaffen würde eine Kämpfe lange dauern und viele eigene Leben Menschenleben kosten. Wer diesen Einsatz gleichwohl für geboten hält, sollte seine eigenen Enkel, Söhne oder Verwandten auf die ukrainische Schlachtbank schicken. Denn das würde sie. Dass Putins Söldner kein Erbarmen kennen, haben sie in Syrien gezeigt. In Aleppo haben sie das brutale Handwerk der Einkesselung und Brandschatzung trainiert, um den verbündeten Schergen Assad an der Macht zu halten.


3. So lange China Putin den Rücken stärkt, schneidet sich der Westen mit seinen Sanktionen gleich doppelt ins eigene Fleisch: Wir verschärfen unsere (selbstgemachte) Abhängigkeit von Energieimporten, derweil Putin für seine riesigen Vorkommen an Gas und Öl in einer Welt mit wachsendem Energiehunger nicht nur in China dankbare Abnehmer findet. Zugleich kappen wir unsere Handelsbeziehungen, was dann ebenfalls dem Groß-Exporteur China nutzt, der gerne in die Lücke springt. Die Erfahrung lehrt: Sanktionen stärken Diktatoren eher, weil sie sich als Opfer verkaufen und Repressionen im Innern rechtfertigen.


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Deshalb darf der „Realitätsschock“, den wir uns nun als großen Erkenntnisgewinn anrechnen, nicht bei Putin enden. Dieser Möchtegerngroß ist mittlerweile nur noch eine Marionette Pekings. Schon die Sanktionen gegen den Iran hat China genutzt, um ein 400 Milliarden Dollar umfassendes Energie- und Infrastrukturgeschäft abzuschließen. Ohne Pekings schützende Hand könnten die Diktatoren von Nordkorea bis Venezuela nicht überleben. Wer also vorrechnet, dass Europa mit seinen Gasrechnungen das russische Militär finanziert, der muss sich genauso eingestehen, dass wir mit unserem Handel Chinas Expansion finanzieren. Wir lassen sogar zu, wie von den Kommunisten gesteuerte Staatskonzerne deutsche Industrieperlen aufkaufen und sich weltweit wertvolle Rohstoffe sichern. Natürlich ist der Ansatz richtig, dass man mit Handel auch einen (politischen) Wandel befördern kann. Nur: Das muss keine Einbahnstraße sein. Der Handel entfaltet auch umgekehrt seine Wirkung. Deshalb ist China langfristig die größte Bedrohung für Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Das wusste schon Napoleon vor über 200 Jahren: „Wenn China erwacht, erbebt die Erde!“ Als Donald Trump dieser Erkenntnis Taten folgen lassen wollte, erntete der Heißsporn im Weißen Haus nur Hohn und Spott. Richtig war Trumps Strategie trotzdem - und Joe Biden folgt ihr zaudernd.


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Immerhin lehrt uns ein Diktator wie Putin, dass Freiheit notfalls auch verteidigt werden muss. Sicherheit gibt es jedoch nicht nur militärisch, sondern umfasst auch die Versorgung. Wir brauchen nicht nur eine warme Stube (die noch lange überwiegend von russischer Energie befeuert wird!), sondern auch sichere Lebensmittel. Der rasante Anstieg der Getreidepreise (weil die Großexporteure Russland und Ukraine ausfallen), muss uns vor Augen führen, wie wichtig der eigene Nährstand ist. Das sollten nicht nur die arroganten Städter begreifen, die gerne auf das Landvolk herabschauen. Es ist erst achtzig Jahre her, als Kartoffeln und Eier in Deutschland die wahre harte Währung waren. Die PETA-Kids, die Bauern als Tierquäler und Umweltsünder diffamieren, sollten dies in der Not diesen Mangel als erste zu spüren bekommen.


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Wie oberflächlich das neue Realitätsbewusstsein ist, sieht man an den Bemühungen der Öko-Lobby, die nun noch mehr Steuergelder in Windparks und Solarplantagen pumpen wollen. Sie bereifen es einfach nicht: Wenn diese sogenannten „erneuerbaren Energien“ bei Dunkelflaute keinen Strom liefern, dann wird auch eine Vervielfachung der Landschaftsverschandelung daran nichts ändern. Zudem: In den einschlägigen Agrar-Journalen bieten Investoren Höchstpreise für Flächen, auf denen sich Wind- und Solarparks ausbreiten können. Unter dem grünen Deckmantel wird also Naturfläche in Industriefläche umgewandelt, denn nichts anderes sind Solarparks. Das treibt die Bodenpreise, die normale Bauern dann nicht mehr bezahlen können. Wer also die Selbstversorgung mit Lebensmitteln propagiert, darf die Augen vor diesem Flächenfraß nicht verschließen.


Ernährt und behaust werden müssen dann übrigens auch die Hunderttausende Flüchtlinge, die wir nun bereitwillig aufnehmen wollen. Anstatt froh zu sein, dass endlich auch Länder wie Polen oder Ungarn so etwas wie eine Willkommenskultur entwickeln, werben deutsche Politiker geradezu um diese neuen Migranten. Wir wedeln mit Geld, Unterkunft, medizinischer Versorgung und Zugang zum Arbeitsmarkt. Es ist leicht auszumahlen, wohin es auch jene Flüchtlinge ziehen wird, die in Polen oder anderen weniger großzügigen Ländern bereits untergekommen sind. Richtig ist, dass diese Vertriebenen unseren Schutz eher verdienen als Wirtschaftsmigranten aus Afrika oder Arabien. Nur: Diese kommen nach wie vor. 2021 wurden laut Bundesamt für Migration 190 800 Asylanträge gestellt, davon über 70 ooo von Syrern. Deshalb sollte hier nicht nur das Herz, sondern auch der kühle Verstand entscheiden: Aufnahme ja, aber befristet und gerecht auf Europa und die Welt verteilt.


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Für die Unterbringung in Deutschland hätte ich eine provokante Lösung: Wir ermuntern die vielen Putin-Bejubler unter den Russland-Deutschen zur Rückkehr ist ihre alte Heimat. In deren hiesigen Wohnsiedlungen bringen wir die Ukrainer unter, die vor der menschenverachtenden Brutalität ihres Gepriesenen flüchten müssen und Demokratie zu schätzen wissen. Wer Jahrzehnte hier lebt, üppige Sozialleistungen in Anspruch genommen hat - und gleichwohl einen despotischen Kriegstreiber verteidigt, der sollte dessen Errungenschaften vor Ort genießen. Wenn Kulturschaffende mit Auftrittsentzug bestraft werden, solange sie sich nicht entschieden von Putin distanzieren, dann gilt das erst recht für die Nutznießer unseres demokratischen Fürsorgestaates. Sie können dann ja in die entvölkerte Ukraine umsiedeln, das bald wieder zum groß-russischen (Armen)-Reich gehört.



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